3s beim EUcareNET Netzwerkevent zur transnationalen Migration von Pflegefachkräften in Dresden

24. September 2018 - 16:48

Der demografische Wandel ist längst in Europa angekommen. Wenig Nachwuchs, alternde Bevölkerung und eine Zunahme von Menschen aus anderen Ländern werden Europa langfristig verändern.

Im Gesundheitswesen wird dies besonders spürbar sein. Für die Mobilität von Fachkräften auf dem Arbeitsmarkt in und für die Europäische Union sind somit Transparenz und Validierung von Kompetenzen wichtiger denn je. Sie können dazu beitragen, die zum Teil bereits starken Qualifikationsmissverhältnisse in der Europäischen Union zu überwinden.

EUcareNET - Der Grundstein ist gelegt
Das Konsortium des EUcareNET-Projekts und sein Koordinator DEKRA Akademie GmbH luden von 27. bis 29. Juni 2018 zur "EUcareNET-Netzwerkaktivität" in Dresden ein. Fast 70 TeilnehmerInnen aus mehr als 20 Einrichtungen ließen dank verschiedenster Projekte und Initiativen (europäische und nationale, aber auch institutsspezifische) das dreitägigen Event zu einer Plattform des gemeinsamen Austausches und Lernens über Migration von Fachkräften im Gesundheitswesen werden.

Am ersten Tag standen aktuelle Herausforderungen und das Finden gemeinsamer Lösungen im Kontext der transnationalen Fachkräftemobilität im Mittelpunkt und wurden von einem erweiterten internationalem Publikum aus VertreterInnen von Politik, ArbeitgeberInnen, BildungsträgerInnen und Behörden diskutiert.

An den beiden darauffolgenden Tagen wurden im kleineren Kreis der EUcareNET-NetzwerkpartnerInnen weitere Themen rund um die Migration von Pflegefachkräften in praxisnahen Workshops vertiefend diskutiert. Hierbei standen ganz praktische Fragen wie „Was macht Qualifikationen über Grenzen hinweg vergleichbar?“, „Welche Kompetenzen benötigen Pflegefachkräfte in der Zukunft?“ und „Wie kann das Erlernen der Sprache im Rahmen der Migration optimal gefördert werden?" im Fokus. Die Gäste und PartnerInnen aus ganz Europa darunter u.a. Schweden, Polen, Österreich  und Griechenland gaben hierfür einen Einblick in ihre Projekt- und Rechercheergebnisse.

Das EUcareNET-Netzwerk zielt darauf ab, Austausch und Kooperation zwischen unterschiedlichen AkteurInnen, die eine Rolle im Rahmen der Migration von Pflegefachkräften auf dem Europäischen Arbeitsmarkt spielen, über Grenzen hinweg zu fördern. Der Grundstein hierfür wurde in Dresden gelegt.

Großes Netzwerk durch starke europäische Partner
16 EUcareNET-PartnerInnen bilden das Gerüst des EUcareNet Netzwerkes sowie eine Reihe weiterer Einrichtungen aus der Europäischen Union und darüber hinaus haben bereits Interesse signalisiert, zukünftig im Netzwerk aktiv werden zu wollen. Aus dem deutschsprachigen Raum sind dies u.a. die DEKRA Akademie GmbH als Koordinator, 3s, ansässig in Österreich mit großer Erfahrung in Projekten zur Transparenz von Qualifikationen, u.a. durch die Entwicklung und Anwendung einer spezifischen Matrix-Methodik für berufliche Kompetenzen, sowie die Technische Universität Dresden, mit dem Institut für Berufsbildung und Berufsdidaktik, in dem Professorin Sandra Bohlinger und ihr Forschungsteam beheimatet sind.

Zu den PartnerInnen gehören auch das TEI aus Athen, eines der größten technologischen Bildungsinstitute in Griechenland mit über 35.000 StudentInnen, das Südosteuropäische Forschungszentrum (SEERC), ein Forschungszentrum der Universität Sheffield, dessen Wurzeln ebenfalls in Griechenland liegen sowie die Comune di Ortuna, die sich in Italien für die Ausbildung von Fachkräften im Gesundheitswesen stark machen. Die 1364 in Krakau gegründete Jagiellonen-Universität (JU) mit 15 Fakultäten, von denen drei das Collegium Medicum (Jagiellonian University Medical College - Fakultät für Medizin, Fakultät für Pharmazie und Fakultät für Gesundheitswissenschaften) umfassen sowie INTERPERSONNEL Polska Sp. z. o.o. gehören u.a. zu den polnischen PartnerInnen im Projekt. INTERPERSONNEL Polska initiiert, organisiert und koordiniert Projekte zur beruflichen Aktivierung im In- und Ausland.

Ebenfalls dort ansässig ist der polnische Krankenpflegeverband (PNA). Die Staatliche Höhere Berufsschule in Tarnow (SHVS) ist eine Hochschule, die sich auf die Vorbereitung kompetenter Fachkräfte für die Übernahme von Aufgaben auf dem europäischen Arbeitsmarkt konzentriert. Auch bei der UOL (Universität Lodz) hat die internationale Zusammenarbeit einen hohen Stellenwert. Die Fakultät für Management (FoM) war z.B. Partner im Helpcare-Projekt (http://helpcare-project.org/), das auf die Entwicklung und den Transfer innovativer Praktiken in der Bildung zur Qualifizierung und Professionalisierung von Gesundheits- und Sozialarbeitern abzielte.

Visionen für die Zukunft in Europa
Vorträge, Workshops, ein durch den WDR-Moderator Jürgen Zurheide moderiertes Abendpanel und ein 'World Cafe' gaben dem Publikum die Möglichkeit, sich zu informieren, sich auszutauschen als auch gemeinsam und miteinander zu lernen. Die Erarbeitung verschiedener Themen in parallelen Workshops wurde in diesem Zusammenhang von den TeilnehmerInnen sehr begrüßt.  Besondere Beachtung fand die eindrucksvolle "3-D Matrix" des "HCEU-Projekts" in Form eines Kubus, vorgestellt durch Dietmar Metzger, DEKRA, anhand derer sich Lücken zwischen den einzelnen Länderprofilen innerhalb der Qualifikationen aufzeigen lassen.

Gegen Ende der Veranstaltung diskutierten alle Beteiligten im Rahmen eines 'World Cafe' begeistert über Zukunftsvisionen und Chancen für die Zukunft des Gesundheitswesens in Europa. Dabei bewegten z. B. Themen wie "Integration von medizinischen Fachkräften mit Migrationshintergrund am Arbeitsplatz" und "Zukünftige Qualifikationsanforderungen an Pflegefachkräfte" die acht Tische. Visionen von europaweit/ weltweit einheitlicher Grundqualifizierung für Pflegefachkräfte, um die Migration von Fachkräften zu vereinfachen oder Hilfe durch Robotik in der Pflege wurden mehrfach diskutiert.

Am Ende der EUcareNET-Netzwerkaktivität machten sich alle TeilnehmerInnen mit zahlreichen neuen Ideen und Anregungen zur Migration von Pflegefachkräften im Gepäck wieder auf den Weg in ihre Heimatländer. Anhand der zahlreichen positiven Rückmeldungen wird auch das Netzwerk (www.eucarenet.eu) sicher weiter ausgebaut und neue Kooperationen können geschlossen werden.

Das EUcareNET-Netzwerk wurde im Rahmen des dreijährigen Erasmus+ Projekts "HealthCareEurope (HCEU)" (www.project-hceu.eu) ins Leben gerufen, an dem 3s (Sigrid Nindl, Sabine Schwenk) beteiligt waren und das im August zu Ende geht.